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Bestand

Identifikation

Bestandssignatur

NL Gertrud Kurz

Zitierung

AfZ: NL Gertrud Kurz

Kurztitel

Kurz, Gertrud

Bestandsname

Nachlass
Dr. h.c. Gertrud Kurz
(1890-1972)

Entstehungszeit

1895 - 1992

Umfang

24.20

Laufmeter

Kontext

Provenienz

Kurz, Gertrud

Geschichte / Biografie

Kurz, Gertrud
15.3.1890-26.6.1972
Dr. h.c., Flüchtlingshelferin

Geb. in Lutzenberg (AR), von Bern. Tochter des Reinhard Hohl (1865-1952) und der Clara Custer (1870-1943). 1912 Heirat mit Albert Kurz (1886-1948), Gymnasiallehrer. Kinder Albert (1913-1964), Hans-Rudolf (1915-1990) und Anna Barbara (1921-2001). Gertrud Kurz besuchte die Handelsschule in Neuenburg. Sie schloss sich 1931 der von Etienne Bach 1923 gegründeten internationalen Friedensorganisation der Kreuzritter an. 1933 leitete Kurz die Redaktion des deutschen Mitteilungsblatts und wurde 1937 Präsidentin des schweizerischen Zweigs der Kreuzritter.
Gertrud Kurz organisierte an Weihnachten 1938 eine Zusammenkunft jüdischer und christlicher Flüchtlinge, aus der sich die "Flüchtlingshilfe der Kreuzritter" entwickelte. 1941 trat das Hilfswerk, repräsentiert und geleitet von Kurz, der Schweizerischen Zentralstelle für Flüchtlingshilfe (SZF) bei. Das Ziel war es, Flüchtlinge ungeachtet ihrer politischen oder konfessionellen Ausrichtung zu betreuen. Über die direkte Flüchtlingsbetreuung hinaus hielt Gertrud Kurz Vorträge und intervenierte zum Teil direkt bei den Schweizer Behörden, so beispielsweise im Sommer 1942, als sie mit Paul Dreyfus zusammen Bundesrat von Steiger auf dem Mont Pélerin aufsuchte, um gegen die Zurückweisung von meist jüdischen Flüchtlingen an der Schweizer Grenze zu protestieren. Seit 1947 nannte sich das Hilfswerk Christlicher Friedensdienst (CFD) und verstand sich im Sinne von Kurz nicht nur als Hilfswerk, sondern auch als Teil der Friedensbewegung. Neben der vom Bund mitfinanzierten Flüchtlingshilfe unterstützte der CFD Entwicklungsprojekte im Ausland. In den 1960er Jahren engagierte er sich u.a. für algerische Flüchtlinge, die von den Behörden nicht als solche anerkannt worden waren. Gertrud Kurz setzte sich bis zu ihrem Tod 1972 aktiv für den CFD ein. Heute ist der CFD eine feministische Friedensorganisation.
Gertrud Kurz wurde für ihr humanitäres Engagement im Zweiten Weltkrieg 1956 mit dem Ehrenzeichen des Deutschen Roten Kreuzes ausgezeichnet. 1958 verlieh ihr die Universität Zürich den theologischen Ehrendoktor. 1965 wurde Kurz mit dem Albert-Schweitzer-Preis geehrt. Gest. in Bern.

Bestandsübernahme

2000, 2001, 2012, 2013

Bestandsgeschichte

1996 beschlossen der Christliche Friedensdienst (CFD) und die Nachkommen von Gertrud Kurz, dem Archiv für Zeitgeschichte (AfZ) den Nachlass von Gertrud Kurz zu schenken. Dieser wurde 2000 übernommen. Bereits 1997 schenkte der CFD dem AfZ seine Flüchtlingskartei (Klasse 3.1.3.). Die dazugehörenden Personendossiers waren vom CFD 1983 vernichtet worden. Einzelne Personendossiers sind jedoch im Bestand Christlicher Friedensdienst (CFD) im Schweizerischen Bundesarchiv (BAR) in Bern überliefert. Die vorliegende Aufteilung der Unterlagen von Getrud Kurz bzw. des CFD auf das BAR und das AfZ lässt sich höchstwahrscheinlich mit dem 1971 stattgefundenen Umzug des CFD an den neuen Standort in Bern erklären (vgl. Mitteilungsblatt CFD, Nr. 316, Juni 1971). Die damals bei Gertrud Kurz verbliebenen Unterlagen befinden sich heute im AfZ. Die 1971 noch aktiven Geschäftsunterlagen waren höchstwahrscheinlich an den neuen Standort gezügelt worden und wurden 2002 und 2005 vom CFD dem BAR übergeben.
2012 und 2013 wurde der Nachlass im AfZ einerseits durch die Schenkung weiterer Unterlagen von Gertrud und Albert Kurz durch Albert Bürgi-Kurz sowie durch die Nachlieferung von Daniel Kurz ergänzt.

Literatur

- Boss, Catherine: Streitfall Friede. Christlicher Friedensdienst 1938-88: 50 Jahre Zeitgeschichte, Bern, 1988
- Hafner, Katrin / Probst, Lucia: Im Dienste der Humanität. Die Schweizer "Flüchtlingsmutter" Gertrud Kurz als Akteurin im Zweiten Weltkrieg und die Rezeption ihres Wirkens bis heute, Lizentiatsarbeit, Universität Bern, 1999
- Aebersold, Susanne: Die Tätigkeit von Gertrud Kurz im Rahmen der Schweizerischen Flüchtlings- und Asylpolitik während des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges (1933-1945), Lizentiatsarbeit, Universiät Zürich, 2000
- Bürgi-Kurz, Fred: Kurz von Bern und Langnau. Geschichte einer Familie. Ein Bericht, Biel: Selbstverlag, 2010

Inhalt und innere Ordnung

Bestandsinhalt

KorrespondenzenFlüchtlinge, Hilfswerke, Behörden, Einzelpersonen, Familienmitglieder
BiografieTagebücher, Ehrungen, Korrespondenz, Texte
Audiovisuelle DokumentationFotos, Tondokumente, Filmdokumente
FinanzenAbrechnungen, Quittungen, Spenden
PublikationenEigenschriften und Publikationen anderer Autoren
Vorträge, ReferateEntwürfe, Notizen, Arbeitsunterlagen, Texte, Presseartikel, Listen mit Vortragsdaten
GeschäftsaktenJahresberichte, Mitteilungsblätter, Statuten

Bewertung/Kassation

Eigenschriften von Gertrud Kurz sowie Publikationen anderer Autoren zu ihrer Person bzw. der Tätigkeit des CFD wurden in die Bibliothek des AfZ eingegliedert und werden im Bestand als Verweise angeführt. Religiöse Erbauungsliteratur, theologische Abhandlungen, Lyrik und Belletristik wurden mehrheitlich kassiert.
Briefumschläge ohne zusätzliche Informationen zum Absender und Verpackungsmaterial wurden ebenfalls kassiert.

Ordnung/Klassifikation

Der Nachlass von Gertrud Kurz wurde 2000 vom AfZ in 137 Plastikboxen sowie weiteren Behältnissen übernommen. Die darin enthaltenen Dossiers waren mit der entsprechenden Boxennummer fortlaufend gekennzeichnet. Urheber und Zeitpunkt der Erstellung dieser Ordnung sind nicht bekannt.
Die vorliegende Klassifikation wurde vom AfZ erstellt. Die ursprünglichen Dossiers wurden in der Regel beibehalten. Dossiers, die über keinen inhaltlichen Schwerpunkt verfügten, wurden als chronologische Sammeldossiers in der Serie Korrespondenz erfasst. Diese Dossiers haben daher gleichlautende Titel und z. T. sich überschneidende Laufzeiten. Sie enthalten unterschiedliche Materialien, u.a. auch Protokolle, Rundschreiben etc. Bei einer Recherche empfiehlt es sich zu allen Themen, die chronologischen Sammeldossiers mit den entsprechenden Laufzeiten miteinzubeziehen.
Das 2012 übernommene Privatarchiv Gertrud und Albert Kurz wurde dem Nachlass hintangestellt. Dessen innere Ordnung wurde vom AfZ erstellt.

Zugang

Benutzbarkeit

Teilweise Gesuchspflichtig

Sprache(n)

Deutsch, Französisch, Englisch, Holländisch

Findmittel

2000, 2013

Findmittel online

Ja

Sachverwandte Unterlagen

Verwandtes Material

Ein Teilbestand des Christlichen Friedensdienstes (CFD) wird im Schweizerischen Bundesarchiv aufbewahrt. Der Bestand der cfd-Frauenstelle für den Frieden sowie der Nachlass von Rosmarie Kurz befinden sich im Schweizerischen Sozialarchiv. Das Archiv der Familie Kurz ist in der Burgerbibliothek Bern überliefert.

Verzeichniskontrolle

Bearbeitung im AfZ

Anne Frenkel, Lea Ingber, Philippe Oggier, Gaby Pfyffer, Franziska Schärli

Vorverzeichnung

Übernahmeverzeichnisse des AfZ, Katharina Bürgi

Findhilfsmittel

 

Untereinheiten

1.: Biografisches Material
2.: Institutionelle Unterlagen
3.: Tätigkeiten
4.: Korrespondenz
5.: Dokumentation
6.: Publikationen
7.: Privatarchiv Gertrud und Albert Kurz
8.: Audiovisuelle Dokumente