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Bestand

Identifikation

Bestandssignatur

NL Samuel Scheps

Zitierung

AfZ: NL Samuel Scheps

Kurztitel

Scheps, Samuel

Bestandsname

Nachlass
Dr. rer. pol. Samuel Scheps
(1904-1999)

Entstehungszeit

1890 er - 1999

Umfang

7.80

Laufmeter

Kontext

Provenienz

Scheps, Samuel

Geschichte / Biografie

Scheps, Samuel
19.5.1904 - 15.11.1999
Dr. rer. pol.
Zionist, Flüchtlingshelfer, Publizist

Geb. in Lodz (Russisch-Polen; Familienname ursprünglich Szeps) als Sohn des Industriellen Maximilian [Mendel] Scheps und der Rosa [Riwka] geb. Schwarzmann; jüdisch. Studium der Philologie und Geschichte in Krakau, von 1922 bis 1924 Geschichte, Nationalökonomie und Rechte in Berlin; 1924 Wechsel an die Universität Basel, wo Scheps Wirtschaftswissenschaften, Rechte, Geschichte und Philosophie studierte; 1926 Dissertation zur Währungs- und Notenbankpolitik der Republik Polen. 1928 Heirat mit Lily, geb. Scheps; Kinder: Marc, Ruth und Dorith; 1931 Bürgerrecht von Basel-Stadt. Seit Mitte der 1920er Jahre war Scheps engagierter Zionist: zunächst in Basel, 1928-1946 Vizepräsident des Schweizerischen Zionistenverbandes, ausserdem seit 1935 Leiter des Jüdischen Nationalfonds in der Schweiz. 1937-1946 Direktor des schweizerischen Palästinaamts, einer Dienststelle der Jewish Agency, welche die Auswanderung nach Palästina organisierte. Mit Kriegsbeginn wurde das Palästinaamt von Basel nach Genf verlegt, von wo aus Scheps ab diesem Zeitpunkt wirkte. Scheps wurde während der Zeit des Nationalsozialismus zu einer wichtigen Person der Flüchtlingshilfe: Beschaffung von Zertifikaten und Geld für die Ausreise zahlloser Menschen, Organisation von fünf Rettungsschiffen, 1945 Mithilfe bei der Organisation der ersten grossen Nachkriegsalija (Einreise nach Palästina) sowie Hilfe bei der Suche nach Überlebenden. 1946 trat er von allen öffentlichen Ämtern zurück. 1946-1962 Gründung und Leitung der Firma Scopa SA in Genf, die für den Import israelischer Produkte in die Schweiz zuständig war. 1959 Mitgründer der Banque de Crédit International in Genf; Vizepräsidium des Verwaltungsrates. Scheps verfasste Monografien sowie zahlreiche Aufsätze und Essays betr. Ökonomie, Geschichte, Literatur und Philosophie auf Deutsch, Polnisch und Hebräisch. Verschiedene Ehrungen, u.a. 1970 Honory Governor der Hebräischen Universität Jerusalem, 1994 Ehrenpräsident des Schweizerischen Zionistenverbands. Gest. in Genf.

aus: Dr. Samuel Scheps, in: Persönlichkeiten Europas: Schweiz, Stansstad: Iatas, 1974 (ohne Seitenzählung) sowie Haumann, Heiko: Samuel Scheps, in: derselbe (Hg.): Der Erste Zionistenkongress von 1897. Ursachen, Bedeutung, Aktualität, Basel: Karger, 1997, S. 216-217.

Bestandsübernahme

2009, 2018

Bestandsgeschichte

Der Bestand gelangte nach dem Tod von Samuel Scheps von seiner Tochter, Dorith Ofir-Scheps, über Professor Heiko Haumann, Historisches Seminar der Universität Basel, ins Institut für Jüdische Studien der Universität Basel. Der Student Alain Ottiker erstellte im Okt. 2003 ein ausführliches Sichtungsverzeichnis. Im Frühjahr 2008 mussten in Folge eines Wassereinbruchs beträchtliche nicht mehr identifizierbare Teile des Archiv- und Bibliothekguts entsorgt werden. Was noch identifizierbar und restaurierbar war, wurde bei der Firma Docusave getrocknet und gereinigt. Unter den zerstörten Teilen befanden sich auch zahlreiche Dossiers aus dem Nachlass Samuel Scheps. Obwohl der Nachlass nicht vollständig überliefert ist, dokumentiert er dennoch eindrücklich das Engagement Samuel Scheps' in der zionistischen Bewegung in den 1920er Jahren sowie seine publizistische Tätigkeit seit den 1960er Jahren.
Die Unterlagen zum Schweizerischen Zionistenverband sind einzigartig und illustrieren die Verbandsgeschichte sowie die Geschichte zahlreicher lokaler zionistischer Vereinigungen in der Schweiz in den 1920er Jahren.
Ausserdem enthält der Bestand Dokumente zur Biografie sowie viel Korrespondenz mit zionistischen Persönlichkeiten zu verschiedenen Themen. Nicht enthalten sind die Unterlagen zur Tätigkeit im Palästinaamt. Diese sind jedoch nicht dem Wasserschaden zum Opfer gefallen, sondern eventuell schon vor längerer Zeit einem anderen Archiv übergeben worden. U.a. befindet sich in den Central Zionist Archives in Jerusalem ein Teilnachlass von Samuel Scheps (A496). Die Nachlassbibliothek von Samuel Scheps befindet sich teilweise in der Bibliothek des Zentrums für Jüdische Studien Basel sowie an der Universitätsbibliothek Basel.

Literatur

Dr. Samuel Scheps, in: Persönlichkeiten Europas: Schweiz, Stansstad: Iatas, 1974 (ohne Seitenzählung).
Haumann, Heiko: Samuel Scheps, in: derselbe (Hg.): Der Erste Zionistenkongress von 1897. Ursachen, Bedeutung, Aktualität, Basel: Karger, 1997, S. 216-217.

Inhalt und innere Ordnung

Bestandsinhalt

BiografieUrkunden, Zeugnisse, Ausweise, Korrespondenz, Notizbücher, Fotos, Ehrungen, Unterlagen zur Familie
Korrespondenzu.a. Avner W. Less, Gerhart M. Riegner, Gerschom Scholem, Leon Weichselbaum, Elie Wiesel, Dr. A. Wilcher, Veit Wyler
TätigkeitSchweizerischer Zionistenverein (SVZ), Palästinaamt
Publikationen und Manuskriptebetr. u.a. Adam Mickiwicz, Armand Lévy und andere Zionisten, hebräische Literaturgeschichte, polnische Literaturgeschichte, Währungsordnung und Ölkrise
Dokumentationu.a. Holocaust, Janusz Korczak, Julian Tuwim, Warschauer Ghetto, Zionismus

Bewertung/Kassation

Kassiert wurden Zeitschriften und Bücher, in denen Scheps nicht publizierte, Ordner mit Rechnungen und Bankbelegen sowie loses Dokumentationsmaterial, das keinem Dossier zugeordnet war. Die Bibliothek von Samuel Scheps wurde nicht übernommen, sondern dem Institut für Jüdische Studien an der Universität Basel überlassen.

Ordnung/Klassifikation

Physische Erschliessung
In den alphabetisch geordneten Korrespondenzdossiers wurde die ursprüngliche entgegengesetzt chronologische Ordnung beibehalten. Scheinbare Inkonsistenzen und parallele Ablagen wurden nicht bereinigt. Dossiers ohne jegliche chronologische Ordnung wurden je nach Aufwand und Notwendigkeit chronologisiert oder im Urzustand belassen.

Inhaltliche Erschliessung
Korrespondenten und Titel von Typoskripten, Artikeln etc. wurden im Sinne einer beschleunigten Erschliessung nicht aufgenommen. Die Materialität des Dossiers wurde zumeist nur summarisch erfasst. Bereits im Verzeichnis 2010 gebildete Dossiers wurden nicht auseinandergenommen und neu geordnet. Lediglich kleine Einheiten wurden gelegentlich zu grösseren zusammen gefasst.

Zugang

Benutzbarkeit

Teilweise Gesuchspflichtig

Sprache(n)

deutsch, französisch, hebräisch, jiddisch, polnisch, englisch

Findmittel

Findmittel des AfZ: 2010, 2012

Findmittel online

Ja

Verzeichniskontrolle

Bearbeitung im AfZ

Noëmi Sibold (Aufnahmeverzeichnis, 2010), Anne Frenkel (Überarbeitung, 2012)

Vorverzeichnung

Vorverzeichnung: Alain Ottiker: Vorverzeichnis des Studenten Alain Ottiker, 2003

Findhilfsmittel

 

Untereinheiten

1.: Biografie
2.: Familie
3.: Tätigkeit, Engagement
4.: Korrespondenz
5.: Dokumentation: Personen und Sachthemen