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Bestand

Identifikation

Bestandssignatur

IB VSJF-Archiv

Zitierung

AfZ: IB VSJF-Archiv

Kurztitel

VSJF-Archiv

Bestandsname

Verband Schweizerischer Jüdischer Fürsorgen (VSJF)
(gegr. 1908 / 1925)
Historisches Archiv

Entstehungszeit

1938 - 1990

Umfang

165.00

Laufmeter

Kontext

Provenienz

Verband Schweizerischer Jüdischer Fürsorgen (VSJF)

Geschichte / Biografie

Verband Schweizerischer Jüdischer Fürsorgen (VSJF)
Gegr. 1925

1925 wurde aus lokalen jüdischen Armenfürsorgen der Schweiz die gesamtschweizerische Dachorganisation "Verband Schweizerischer Israelitischer Armenpflegen" (VSIA 1925-1943) gegründet. Ab 1933 wurde er zur zentralen Anlaufstelle für die verfolgten jüdischen Flüchtlinge aus dem nationalsozialistischen Deutschland. Als Gründungsmitglied engagierte er sich seit 1936 in der "Schweizerischen Zentralstelle für Flüchtlingshilfe". Bis 1939 organisierte der Verband gemäss den fremdenpolizeilichen Bestimmungen in erster Linie den Transit von Flüchtlingen. Nach Kriegsbeginn stand die Organisation und Finanzierung des Aufenthalts im Mittelpunkt der Hilfstätigkeit. Die finanziellen Mittel wurden durch die Schweizer Juden sowie durch amerikanische jüdische Hilfsorganisationen bereitgestellt, vor allem durch den JOINT (American Jewish Joint Distribution Committee), die HIAS (Hebrew Immigrant Aid Society) und die HICEM (HIAS-ICA-Emigdirect). 1943 wurde die Organisation in "Verband Schweizerischer Jüdischer Fürsorgen/Flüchtlingshilfen" umbenannt. Zwischen 1933 und 1945 wurden etwa 23'000 Flüchtlinge betreut (u. a. 1944/45 Überlebende aus den Konzentrationslagern Bergen-Belsen und Theresienstadt sowie Kinder und Jugendliche aus Buchenwald). Zu den Aufgaben und Tätigkeiten zählten u. a. die Vertretung der Anliegen der Flüchtlinge vor den Schweizer Behörden, die Beschaffung von Kleidern, die ärztliche Versorgung, die Zusammenlegung von Familien und Unterbringung in Privatunterkünften, Nachforschungen nach Vermissten, Rechtsberatungen, die berufliche Aus- und Weiterbildung im Hinblick auf die Rück- und Weiterwanderung sowie die Unterstützung der Wiedergutmachungsanträge an die Bundesrepublik Deutschland oder Österreich in der Nachkriegszeit. Nach dem Krieg setzte der VSJF seine fürsorgerische Tätigkeit und die Flüchtlingshilfe fort; er betreute und betreut zum Teil bis heute Flüchtlinge u. a. aus Ägypten, Ungarn, der Tschechoslowakei, Polen, der Sowjetunion und aus Bosnien.

Bestandsübernahme

1997, 2002, 2008

Bestandsgeschichte

Das Archiv für Zeitgeschichte übernahm 1997 den Bestand der Zentralstelle Zürich mit seinen 12.250 Flüchtlingsdossiers aus den Jahren 1938-1990 sowie Protokollen, Statuten, Reglementen, Jahresberichten und Verwaltungs- und Personalakten aus den Jahren 1944-1979. Die Dossiers zu den Flüchtlingen (Klasse 1.4.) wurden von 1998-2003 in einer separaten Datenbank erschlossen. In dieser Datenbank sind 20'458 Flüchtlinge (vgl. Anhang) erfasst. Recherchen nach Namen und Inhalten der Personendossiers können mit Hilfe kombinierbarer Abfragemöglichkeiten erfolgen. Die Einsicht in die Dossiers unterliegt der Beachtung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen. Über die Hilfstätigkeit in der Westschweiz geben Archivalien der Lokalkomitees Vevey-Montreux und Lausanne Aufschluss, die das Archiv für Zeitgeschichte 2002 erhalten hat. Sie enthalten Korrespondenzen dieser Comités mit Westschweizer Lagern über Flüchtlinge, zu administrativen und finanziellen Angelegenheiten, zu Urlaubsgesuchen, aber auch Flüchtlingslisten sowie einzelne Flüchtlingsdossiers aus Lausanne und dem Altersheim Les Berges du Léman.
Materialien der Lokalkomitees Bern und Basel, die zum Teil in den jüdischen Gemeindearchiven aufbewahrt wurden und auch Dokumente zur Vorkriegszeit beinhalten, sind in den Staatsarchiven Basel und Bern zu finden. Unterlagen anderer Lokalkomitees, wie diejenigen von Davos und Locarno gelten bisher als verschollen. Tiefere Einblicke in die Geschichte des Verbands und seine Struktur erhält man im Archiv für Zeitgeschichte durch die Materialien im Archiv des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds. In den Sitzungsprotokollen des Centralcomités und der Generalversammlung des SIG sind ebenfalls wichtige Hinweise zur Organisation und Finanzierung des VSJF enthalten.

Literatur

Gerson, Daniel / Hoerschelmann, Claudia: Der Verband Schweizerischer Jüdischer Fürsorgen/Flüchtlingshilfen (VSJF), in: Jüdische Lebenswelt Schweiz. Festschrift zu 100 Jahre Schweizerischer Israelitischer Gemeindebund (SIG), Chronos Verlag, Zürich 2004, S. 56-71.

Inhalt und innere Ordnung

Bestandsinhalt

PersonendossiersBiographische Dossiers zu den Flüchtlingen und zu deren Betreuung: Materialien und Korrespondenzen betr. Personalien, Ein- und Ausreise, Verwandte in der Schweiz und im Ausland, rechtlicher Status, Unterstützungen, gesundheitliche Probleme, Internierungen in Arbeitslagern, Unterbringungsfragen, Schulungen und Ausbildungen, ausgeübte Berufe im Ausland und in der Schweiz, Lebensläufe, Prozessunterlagen, Vermögens- und Wiedergutmachungsbelange u. a.
VerbandsaktenGeschäftsakten 1944-1979 (Protokolle, Sitzungsunterlagen, Korrespondenzen), Flüchtlingslisten 1944-1950
HIAS/JOINT1955-1980 (diverse Unterlagen)

Bewertung/Kassation

 

Ordnung/Klassifikation

 

Zugang

Benutzbarkeit

Teilweise Gesuchspflichtig

Sprache(n)

 

Findmittel

2003, 2004, 2013

Findmittel online

Ja

Verzeichniskontrolle

Bearbeitung im AfZ

Claudia Hoerschelmann, Daniel Gerson, Regina Gehrig, Thomas Ehrsam, Gudrun Kling, Simone Kubli, Ursula Meier, Alexandra Rückert

Vorverzeichnung

 

Findhilfsmittel

 

Untereinheiten

1.: VSJF Zürich 1938-1990
2.: Bureau de Secours aux Réfugiés (BSR) Lausanne 1942-1949
3.: Bureau de Secours aux Réfugiés (BSR) Vevey-Montreux 1943-1946
4.: Bureau de Secours aux Réfugiés (BSR) Champéry 1944-1945
5.: Les Berges du Léman 1948-1977
6.: Nachlieferung