Merkliste anzeigen Detail
Bestand

Identifikation

Bestandssignatur

NL Hugo Schriesheimer

Zitierung

AfZ: NL Hugo Schriesheimer

Kurztitel

Schriesheimer, Hugo

Bestandsname

Nachlass
Hugo Schriesheimer
(1908-1989)

Entstehungszeit

1905 - 2011

Umfang

0.40

Laufmeter

Kontext

Provenienz

Schriesheimer, Hugo

Geschichte / Biografie

Schriesheimer, Hugo
13.9.1908 -7.10.1989

geb. in Konstanz als einziges Kind von Max Schriesheimer und Rosa Dukas; Kindheit und Schulen in Konstanz; Mitglied der zionistischen "Blau-Weiss"-Gruppe. Ingenieurstudium am Konstanzer Technikum, beruflicher Einstieg in den Eisenwarenladen des Vaters, Juni 1938 "freiwillige Arisierung" des Familienunternehmens durch Verkauf an langfährigen Angestellten. Bei Zerstörung der Konstanzer Synagoge am 9.11.1938 Festnahme und vier Monate Schutzhaft im KZ Dachau, Entlassung aus Dachau aufgrund von Einsprachen von Schweizer Verwandten, 1940 Umsiedlung in "Judenhäuser" in Konstanz, 22.10.1940 Deportation mit 6500 weiteren badischen und saarpfälzischen Juden nach Gurs, 1942 Flucht in die Schweiz als staatenloser Ausländer. Tod der Eltern in Pontaqc kurz hintereinander 1943 und 1944 (Max Schriesheimer verstarb am 27.11.1943 und Rosa Schriesheimer am 17.1.1944). Internierter in den Arbeitslagern Bonstetten und Hasenberg, 1944 Umzug nach Zürich und Arbeit als Küchenbursche, 1946 Anstellung in der Maschinenfabrik Oerlikon. 1946 Teilnahme am 22. Zionisten-Kongress in Basel, ab 1946 Bemühungen um finanzielle Wiedergutmachung. 1947 Auswanderung nach Rochester, USA. 1949 Heirat mit der gebürtigen Berlinerin Eva-Maria Mendelsohn, 1952 Umzug nach New York, 1971 Umzug nach Kreuzlingen. Ab 1980 viele Vorträge über seine Erlebnisse in Konstanz und Gurs, 20.3.1985 Interview mit Erhard Roy Wiehn, 21.12.1988 Tod von Ehefrau Eva-Maria, gest. in Kreuzlingen. Am 22.5.2009 Verlegung von drei Stolpersteinen in Konstanz für Max, Rosa und Hugo Schriesheimer (Bodanplatz Nr. 10).

Bestandsübernahme

2011

Bestandsgeschichte

Hugo Schriesheimer ernannte Siegfried Gideon, Weinfelden, zu seinem Nachlassverwalter. Nach seinem Tod im Oktober 1989 erfolgte die Wohnungsauflösung, bei welcher der Nachlass von Hugo Schriesheimer in privaten Besitz von Prof. Erhard Roy Wiehn gelangte. Im Jahr 2011 entstand aus diesem historischen Material eine Erinnerungsbiografie von Marie-Elisabeth Rehn. Da Hugo Schriesheimer beinahe 20 Jahre in Kreuzlingen gewohnt hatte, bestehen enge Verbindungen zum historischen Archiv der Jüdischen Gemeinde Kreuzlingen. Die Schwerpunkte des Bestandes bilden das biografische Material und die Fotosammlung. Es sind viele Ausweise, Pässe, Bewilligungen und Zeugnisse vorhanden, darunter auch Arbeitsbestätigungen aus dem Lager Gurs. Die zahlreichen Fotos dokumentieren die Jugend von Hugo Schriesheimer in Konstanz, seine Zeit in den Interniertenlagern in der Schweiz und seine Ehe mit Eva-Maria Mendelsohn. Daneben befinden sich im Nachlass ebenfalls Korrespondenz und die Aufarbeitung seiner Erlebnisse in den 1980er Jahren. Hugo Schriesheimer hielt viele Vorträge über seine Erlebnisse in Gurs und sammelte zahlreiche Zeitungsartikel betr. den Nationalsozialismus und das Schicksal jüdischer Menschen. Er pflegte zudem privaten Kontakt zu Erich Bloch und schrieb seine Erinnerungen an Gurs für dessen Buch über die Konstanzer Juden erstmals nieder. Schriesheimer bemühte er sich intensiv um finanzielle Wiedergutmachung für seinen elterlichen Besitz. Dazu gibt es im Nachlass nur wenig Korrespondenz. Das Staatsarchiv Freiburg jedoch besitzt über den Fall Schriesheimer eine eigene Akte. Eine Abschrift des Interviews, das Prof. Erhard Roy Wiehn am 20. März 1985 mit Hugo Schriesheimer und seiner Frau führte, befindet sich in dessen 2012 erschienen Buch "Jüdische Rückblicke auf die deutsch-schweizerische Grenzregion am Bodensee im 20. Jahrhundert".

Literatur

Schriesheimer, Hugo: "Die Hölle von Gurs", in: Wiehn, Erhard Roy (Hg.): "Camp de Gurs", Konstanz 2010, S. 132ff.
Rehn, Marie-Elisabeth: Hugo Schriesheimer. Ein jüdisches Leben von Konstanz durch das KZ Dachau, das französische Internierungslager Gurs, das Schweizer Asyl und die USA nach Kreuzlingen 1908-1989, Konstanz 2011.
Wiehn, Erhard Roy (Hg.): Jüdische Rückblicke auf die deutsch-schweizerische Grenzregion am Bodensee im 20. Jahrhundert. Gespräche in Israel, Konstanz und Kreuzlingen, Konstanz 2012. (Interview mit H. Schriesheimer S. 127-165).
Wiehn, Erhard Roy (Hg.): Die bittere Not begreifen. Deutsch-jüdische Deportiertenpost aus südfranzösischen Internierungslagern im Kontext der Hilfsaktion der Jüdischen Gemeinde Kreuzlingen Thurgau/Schweiz rund 75 Jahre danach zur Erinnerung 1940–1945, Konstanz 2016.

Inhalt und innere Ordnung

Bestandsinhalt

BiografieSchul- und Arbeitszeugnisse, Pässe, Ausweise, Persönlicher Machsor
BilddokumenteFotos betr. Kindheit und Jugend in Konstanz sowie Aufenthalt in Interniertenlagern in der Schweiz
KorrespondenzBerufliche Tätigkeit, Aufenthalt in der Schweiz, Erbschaft der Eltern
RezeptionVorträge, Museum für Gedenkstätte in Gurs, 50-Jahr-Jubliäum der "Reichskristallnacht" in Konstanz

Bewertung/Kassation

Publikationen wurden in die Bibliothek überführt.

Ordnung/Klassifikation

 

Zugang

Benutzbarkeit

Frei

Sprache(n)

deutsch, französisch

Findmittel

Findmittel des AfZ: 2013

Findmittel online

Ja

Verzeichniskontrolle

Bearbeitung im AfZ

Lea Ingber

Vorverzeichnung

 

Findhilfsmittel

 

Untereinheiten

1.: Biografie
2.: Fotos
3.: Korrespondenz
4.: Rezeption und Dokumentation