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Bestand

Identifikation

Bestandssignatur

NL Veit Wyler

Zitierung

AfZ: NL Veit Wyler

Kurztitel

Wyler, Veit

Bestandsname

Nachlass
Dr. iur. Veit Wyler
(1908-2002)

Entstehungszeit

ca. 1850 - 2002

Umfang

7.40

Laufmeter

Kontext

Provenienz

m Wyler, Veit

Geschichte / Biografie

Wyler, Veit
28.8.1908-18.10.2002
Dr. iur., Dr. phil. h. c., Anwalt

Geb. in Baden/AG; isr.; Sohn des Louis, Kaufmann, und der Rosa geb. Kahn; 1944 Heirat mit Anna Katharina Salten; 1923-1925 Gymnasium und Aufenthalt bei Grossvater Leo Kahn, Rabbiner, in Wiesbaden; 1925-1927 Maturavorbereitungsinstitut in Zürich; 1927 Matura; 1927-1930 Studium der Jurisprudenz in Zürich, Wien, Hamburg und Leipzig; 1930 Promotion in Leipzig ("Zulassungszwang, Kontrahierungszwang, Stromsperre. Ein Beitrag zum Recht der Elektrizitätswirtschaft"); 1932 Anwaltsexamen; Praktikum in Paris; 1932-1935 Mitarbeit in der Advokatur von Wladimir Rosenbaum in Zürich; 1935 Eröffnung der eigenen Anwaltskanzlei in Zürich; ab ca. 1935 Einsatz für jüdische Flüchtlinge (u.a. durch Beschaffung von Visa zur Weiterwanderung und als Vertreter gegenüber Schweizer Behörden); 1940-1945 Vorstand der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ); langjähriger Delegierter im Centralcomité des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG); 1940-1943 Präsident der Zionistischen Ortsgruppe Zürich; 1944-1951 Präsident des Schweizerischen Zionistenverbandes; langjähriger Schweizer Delegierter bei Kongressen der World Zionist Organization (WZO); 1948-1986 Herausgeber und Redaktor der Zeitschrift "Das Neue Israel"; 1960-1970 Präsident des Keren Hajessod; 1964-1969 Mitglied der Commission on Reorganization der World Zionist Organization; ab ca. 1965 Mitglied des European Committee, Board of Governors und Executive Council des Weizmann Institute of Science, Rehovot, Israel; ca. 1987-1994 Mitglied des International Center for Peace in the Middle East, Tel Aviv; zahlreiche Ehrungen (u.a. 1980 Ehrendoktorat des Weizmann Institute of Science); gest. in Zürich.

Bestandsübernahme

1990, 1992, 1998, 2003, 2007, 2011

Bestandsgeschichte

Bereits zu Lebzeiten übergab Veit Wyler dem AfZ in mehreren Ablieferungen Akten aus seinem Vorlass. Nach Wylers Tod erhielt das AfZ zwischen 2003 und 2011 weitere Ablieferungen von seinem Schwiegersohn Rafi Siano. Darunter befanden sich auch die Unterlagen des Redaktionsarchivs der Zeitschrift "Das Neue Israel", das im AfZ einen separaten Bestand bildet.

Zu den thematischen Schwerpunkten im Nachlass gehört zum einen Wylers Tätigkeit als Anwalt. Von besonderer Bedeutung ist hier die Verteidigung von David Frankfurter, der im Februar 1936 in Davos den nationalsozialistischen Landesgruppenleiter Wilhelm Gustloff erschoss. Der Prozess vor dem Strafgericht in Chur ist umfassend dokumentiert, ebenso Wylers Korrespondenz mit David Frankfurter während dessen Gefängnisaufenthalt und seine Bemühungen, Frankfurter nach der Begnadigung 1945 zu einer Ausreisemöglichkeit zu verhelfen. Zum Frankfurter-Prozess liegt zudem der Film "Konfrontation" von Rolf Lyssy aus dem Jahr 1974 vor. Hervorzuheben ist des Weiteren die Verteidigung des deutschen Kommunisten Heinz Neumann, der Anfang 1935 auf Antrag der Zürcher Staatsanwaltschaft an die Nationalsozialisten ausgeliefert werden sollte. Ebenfalls umfangreich dokumentiert ist Wylers Engagement für jüdische Flüchtlinge vor, während, und nach dem Zweiten Weltkrieg. Hierzu gehört die ausgedehnte Korrespondenz mit Flüchtlingen und Behörden über die Beschaffung von Visa zur Auswanderung, u.a. nach Palästina und Südamerika, über Einreise und Aufenthalt in der Schweiz, sowie zu Wiedergutmachung und erblosen Vermögen.

Ein zweiter Quellenkomplex betrifft Wylers zionistisches Wirken. Hierzu gehören zum einen Unterlagen zu seiner Tätigkeit in zionistischen Organisationen, wie der Zionistischen Ortgruppe Zürich, dem Schweizerischen Zionistenverband und dem Keren Hajessod, in denen Wyler bedeutende Positionen innehatte. Seit 1948 publizierte er zudem als Herausgeber und Chefredaktor während 40 Jahren "Das Neue Israel", eine Zeitschrift mit politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Beiträgen v.a. aus Israel. Das Redaktionsarchiv bildet im AfZ einen separaten Bestand. Einzig die Geschäftsunterlagen der A.G. Jüdischer Verlag, welche u.a. die Gründung der Zeitschrift betreffen, wurden im Nachlass behalten. Von Wylers Zionismus zeugt zudem seine Tätigkeit als Förderer von Wissenschaft und Wirtschaft im neugegründeten Staat Israel, z.B. für das Weizmann Institute of Science in Rehovot.

Schliesslich ist Wylers Biografie im Nachlass umfassend dokumentiert, u.a. anhand seiner eigenen ausführlichen Lebensberichte. Hier finden sich auch Unterlagen zur Familiengeschichte, v.a. zum Vater Louis Wyler, die dessen eigenen Nachlass im AfZ ergänzen.

Einige wichtige Tätigkeiten sind nur unvollständig dokumentiert. So sind für die Zionistische Ortsgruppe Zürich praktisch keine Unterlagen vorhanden. Die Geschäftsunterlagen des Schweizerischen Zionistenverbands, darunter die Protokolle verschiedener Gremien, sind nur lückenhaft überliefert. Nur sehr wenige Akten gibt es zudem für Wylers Tätigkeit im Keren Hajessod. Sein Engagement für das Weizmann Institute of Science ist für die Jahre 1997-2001 durchgehend dokumentiert, vom frühen Engagement zeugen nur vereinzelte Unterlagen.
Ebenfalls kaum oder nur lückenhaft belegt sind Wylers Tätigkeiten im Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund (SIG) und in der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ), sowie für verschiedene Stiftungen und Fonds (u.a. Vera Solomon Stiftung und de Stern Fonds). Etwas umfangreicher ist hingegen Wylers Mitgliedschaft im International Center for Peace in the Middle East, Tel Aviv, dokumentiert. Gemäss Auskunft der Nachkommen sind alle historisch relevanten Unterlagen aus Veit Wylers Wohnsitz an der Böcklinstrasse in Zürich an das AfZ übergeben worden. So muss angenommen werden, dass die fehlenden Akten von Veit Wyler nicht aufbewahrt worden sind.

Literatur

- Gantner, Ludwig: Beiträge zur Geschichte des Zionismus in der Schweiz. Unter besonderer Berücksichtigung der Zeit von 1948-1956, Lizentiatsarbeit Universität Basel 1999
- Kury, Patrick: Veit Wyler, in: Haumann, Heiko (Hg.), Der Erste Zionistenkongress von 1897: Ursachen, Bedeutung, Aktualität, Basel etc. 1997

Inhalt und innere Ordnung

Bestandsinhalt

BiografieFotos, Ausweise, Schule, Studium, Promotion, Militärdienst, frühe juristische Tätigkeit, Fiche der Bundesanwaltschaft, autobiografische Schriften und Berichte, Privatkorrespondenz, Ehrungen, Presseartikel, Nachrufe, Notizen, Tagebuch, Gedichte, Familiengeschichte
TätigkeitJuristische Tätigkeit, Engagement für jüdische Flüchtlinge, Schweizer Judentum, Zionismus, Herausgabe und Redaktion "Das Neue Israel", jüdisch-arabische Verständigung, publizistische Tätigkeit, Vorträge
KorrespondenzPrivatkorrespondenz, Geschäftskorrespondenz
PersonendossiersFriedrich Dürrenmatt, Ernst Erdös, Benjamin Sagalowitz, Samuel Scheps
Sachdossiersu.a. Judentum, Berner Prozess um die "Protokolle der Weisen von Zion", Schweiz im Zweiten Weltkrieg, Eichmann-Prozess, Auschwitz-Prozesse, Nachkriegsdeutschland, Presseartikelsammlung
FilmdokumenteRolf Lyssy: "Konfrontation - Das Attentat von Davos", 1974
MitgliedschaftZionistische Ortsgruppe Zürich, Schweizerischer Zionistenverband, World Zionist Organization (WZO), Weizmann Institute of Science, Keren Hajessod, Keren Kayemenet LeIsrael, Israelitische Cultusgemeinde Zürich (ICZ), Schweizer Israelitischer Gemeindebund (SIG), International Center for Peace in the Middle East, Haschomer Hazair
Publikationen und Manuskripteu.a. Vorträge, Presseartikel, Interviews

Bewertung/Kassation

Kassiert wurden seitens des AfZ Bücher und einzelne, ohne Informationen versehene Fotos, die keinen ersichtlichen bzw. direkten Bezug zum Bestandsbildner und seiner Tätigkeit aufwiesen. Von den im Bestand enthaltenen Thermopapieren wurden aus konservatorischen Gründen Kopien erstellt, die Originale wurden entsorgt.

Ordnung/Klassifikation

Der Nachlass kam grösstenteils ungeordnet ins AfZ. 1998 wurden die bis dahin erhaltenen Unterlagen erstmals geordnet und verzeichnet. Im Rahmen einer geplanten Biografie über Veit Wyler ordnete die Autorin Hanna Zweig 2003 den Nachlass einschliesslich der bis dahin hinzugekommenen Unterlagen neu und erstellte ein umfassendes Verzeichnis. In diesem wurden die Dokumente bzw. Dossiers jeweils mit der Nummer der Schachtel versehen, in der sie abgelegt wurden. Diese Nummern sind im 2013 erstellten, endgültigen Verzeichnis als Altsignaturen aufgenommen. Die nach 2003 ins AfZ gelangten Akten wurden damals nicht geordnet und verzeichnet. Die Verzeichnisse von 1998 und 2003 sind im AfZ einsehbar.

2013 erfolgte die umfassende Erschliessung des Nachlasses. Bestandteile, die ganz offensichtlich zum Redaktionsarchiv der Zeitschrift "Das Neue Israel" gehörten, wurden dabei aus dem Nachlass ausgegliedert und dem Redaktionsarchiv beigefügt. Im Nachlass behalten wurden einzig die Geschäftsunterlagen der A.G. Jüdischer Verlag, sowie vereinzelte Briefe, die sich in den gemischte Korrespondenz enthaltenden Dossiers unter Klasse 3 befinden.
Als Grundlage für die Erschliessung diente die von Hanna Zweig erstellte Ordnung. Dabei wurden die oft sehr vereinzelt abgelegten Dokumente nach Möglichkeit in übergreifende Dossiers zusammengefügt. Aufgrund der teilweisen Übernahme der Vorordnung ergeben sich folgende Besonderheiten: Im Bereich der Korrespondenzdossiers in den Klassen 2.1 und 3 kommt es zu alphabetischen bzw. chronologischen Überschneidungen, und sind dieselben Korrespondenzpartner oft auf verschiedene Dossiers verteilt. Die Dossiers "Juristische Korrespondenz" unter Klasse 2.1.3 enthalten sowohl Korrespondenz zu einzelnen Fällen als auch allgemeine Korrespondenz. Bei den Korrespondenzdossiers der Klasse 3 handelt es sich um Sammeldossiers mit gemischter Korrespondenz, die thematisch teilweise anderen Klassen zuzuordnen ist. Sie sollten daher bei jeder Recherche ergänzend konsultiert werden.
Korrespondenzen, die nur mit Vornamen unterzeichnet worden sind oder deren Namen unleserlich sind, wurden jeweils am Ende der Dossiers platziert.

Der überwiegende Teil der Fotos wurde von Veit Wyler selbst mit Kommentaren und Informationen versehen. Die Informationen zu den digital vorhanden Fotos stammen grösstenteils von Rafi Siano.

Zugang

Benutzbarkeit

Teilweise Gesuchspflichtig

Sprache(n)

Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Hebräisch, Russisch, Polnisch, Jiddisch

Findmittel

Findmittel des AfZ: 1998, 2003, 2013

Findmittel online

Ja

Verzeichniskontrolle

Bearbeitung im AfZ

Janine Wilhelm

Vorverzeichnung

Vorverzeichnung: Uriel Gast, Hanna Zweig

Findhilfsmittel

 

Untereinheiten

1.: Biografie
2.: Tätigkeiten
3.: Korrespondenz
4.: Publikationen, Manuskripte
5.: Personendossiers
6.: Sachdossiers