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Bestand

Identifikation

Bestandssignatur

NL Hacker-Müntz

Zitierung

AfZ: NL Hacker-Müntz

Kurztitel

Hacker-Müntz, Erich und Lia

Bestandsname

Einzelbestand
Erich und Lia Hacker-Müntz
(1923-1980 / 1926-2014)

Entstehungszeit

ca. 1880 er - 2007

Umfang

0.40

Laufmeter

Kontext

Provenienz

Hacker-Müntz, Erich und Lia

Geschichte / Biografie

Hacker-Müntz, Erich
10.11.1923-5.7.1980
Küchenchef

Geb. in Kobersdorf (Burgenland, Österreich) als siebter von acht Söhnen, israelitisch, von Lengnau AG (1958 eingebürgert, seit dem "Anschluss" Österreichs staatenlos, nach Kriegsende vorübergehend wieder österreichischer Staatsbürger), Sohn des Salomon (auch Samuel, Alexander, 1876-1954), Fleischhauers, und der Adelheid (auch Adele, 1880-1958) geb. Gerstl. 1954 Heirat mit Lia Müntz in Lengnau AG (Hochzeitsfeier in Brüssel), 1955 Geburt des Sohnes Alex (Alex Saly).
Brüder: Josef (1904-1967), Emil (geb. 1909), Samuel (geb. 1912, vermutl. ab 1939 in Palästina / Israel, später in Kanada), Michael / Max (auch «Mish» genannt, geb. 1914, vermutl. ab 1939 in Palästina / Israel, später in Kanada), Moritz (auch «Max» genannt, geb. 1917), Leo (geb. 1919, ab 1939 in Palästina / Israel) und Erwin (1926-1965).
Bereits im Sommer 1938 erzwungener Wegzug aus Kobersdorf; Dezember 1938 Flucht in die Schweiz (Grenzübertritt bei Diepoldsau) zusammen mit Familienangehörigen, ab Januar 1939 bis Mai 1940 im Emigrantenlager Diepoldsau, anschliessend bis Februar 1941 im Arbeitslager Felsberg GR und danach bis März 1942 im Arbeitslager Thalheim AG; vom März 1942 bis März 1944 im Emigrantenlager Degersheim SG und schliesslich bis Juni 1944 im Arbeitslager Bad Schauenburg BL. Im Juni 1944 Entlassung und Übersiedlung nach St. Gallen zu seinen Eltern. 1945-1947 Kochlehre im Restaurant Urania in Zürich; 1947-1948 Koch im Zunfthaus zum Rüden in Zürich, 1948 im Sanatorium Höhwald in Davos und danach wieder in Zürich; ab November 1948 im Jüdischen Altersheim Lengnau AG, 1953-1959 als Küchenchef; ab 1959 in Davos, zuerst bis 1961 Küchen-Souschef in der Zürcher Hochgebirgsklinik (Heilanstalt Clavadel), 1961-1965 Küchenchef in der Niederländischen Hochgebirgsklinik und 1965-1980 Küchenchef in der jüdischen Heilstätte Etania. Gest. in Davos.


Hacker-Müntz, Lia
1.11.1926-12.1.2014
Hausfrau

Geb. in Düsseldorf (amtliche Vornamen: Lia Martha, auch Lea Martha), israelitisch, von Lengnau AG (1958 eingebürgert, zuvor staatenlos), Tochter des Schlama (auch Szlama, Salomon, Sally, Izlama) Müntz (auch Münz oder Minc; 1900-1945), geb. in Koniecpol (Distrikt Krakau, Polen), Geschäftsmanns, und der Cypa (auch Cäcilie, Cäzilia, Cecilia, Cilla) geb. Krel (1902-1954), geb. in Lublin, Hausfrau, damals noch unverheiratet. 1954 Heirat mit Erich Hacker, 1955 Geburt des Sohnes Alex (Alex Saly).
Geschwister des Vaters: Moritz / Maurice Müntz / Minc, Frankreich, Teilnahme am Spanischen Bürgerkrieg; ein weiterer Bruder (Name unbekannt) wurde kurz vor seinem 20. Altersjahr als Angehöriger einer zionistischen Jugendbewegung bei einem Wochenendausflug zusammen mit andern Mitgliedern bei einer pogromartigen Ausschreitung umgebracht.
Geschwister der Mutter: Tova, verheiratet mit Shlomo Baruch, ab 1914 in London; Bascia, verheiratet mit Abraham Pawlowicki, Belgien, ab 1940 London, nach dem Zweiten Weltkrieg wieder in Brüssel.
Eigene Geschwister: Heinz (später Henri Muntz, 1921-1991; im belgischen Widerstand, flüchtete nach England, kam 1944 mit französischer Einheit zurück), Bernhard (später Bernard Minc, geb. 1928), David (geb. 1944; kam in Gestapo-Haft zur Welt, später in Brüssel);
Übersiedlung der Eltern von Polen nach Deutschland, ab 1920 in Beuthen (Oberschlesien), ab 1922 in Düsseldorf ansässig, wo der Vater bis etwa 1924 als Konditor tätig war, anschliessend als Vertreter für einen Tabakwarengrosshändler arbeitete und um 1928 eine eigene Tabakwaren-Grosshandlung eröffnete. 1932 Eheschliessung zwischen den bisher unverheirateten Eltern (religiöse Trauung vermutl. schon früher erfolgt). 1936 Verfügung der Ausweisung der staatenlosen Familie (ursprünglich polnische Staatsangehörige) aus dem Deutschen Reich unter dem Vorwand einer Steuerhinterziehung; 1937 Ausreise aus Deutschland und Übersiedlung nach Brüssel, wo dem Vater als Ausländer eine Erwerbstätigkeit untersagt war und die Familie vom Verzehr des verbliebenen Vermögens leben musste.
August 1942 Arbeitseinsatzbefehl an Lia Müntz; von September 1942 bis Kriegsende überlebte die an einer Asthmaerkrankung leidende Lia versteckt im von Ordensfrauen geführten Kindersanatorium Baronne Lucie Lambert, Buizingen (Belgien), wo sie bis Dezember 1946 verblieb und zuletzt als Hilfssekretärin arbeitete.
Dezember 1943 Verhaftung und Internierung des Vaters im Lager von Malines (Belgien), Januar 1944 Deportation, im Februar 1945 Tod im Konzentrationslager Langenstein (Aussenlager des KZ Buchenwald). Die Mutter kam nach neun Monaten Gestapo-Haft in Brüssel dank ihrem Bruder Heinz wieder frei und überlebte bis Kriegsende versteckt auf einem Bauernhof im Südschwarzwald.
Dezember 1946 mit Unterstützung der OSE (Oeuvre de Secours aux Enfants) Einreise von Lia Müntz in die Schweiz wegen ihres Lungenleidens, zunächst nach Celerina ins Hochalpine Jüdische Kinderheim und Internat, wo sie zeitweise als Aushilfe bei Kindern tätig war. März 1947 Übersiedlung nach Montana ins Sanatorium Bella-Lui, wo sie als Aushilfssekretärin arbeitete und daneben einen ORT (Organisation – Reconstruction – Training)-Berufsausbildungskurs (Ecole de chemiserie) als Vorbereitung für eine mögliche Einwanderung nach Palästina / Israel absolvierte. Ab März 1950 in Davos in der Jüdischen Heilstätte Etania. Ab April 1952 in Lugano, wo sie einer Beschäftigung in einer Firma für Korsettfabrikation (Fabbrica di Busti) nachgehen konnte, zunächst als Volontärin, später gegen Entlöhnung, daneben auch als Gouvernante in Privathaushalt tätig. Nach der Heirat ab 1954 zunächst in Lengnau AG. Juni 1958 durch ihr Lungenleiden bedingte Übersiedlung nach Davos, zunächst in die Basler Heilstätte; 1963-1970 gelegentliche Mithilfe in der von der Familie Durlacher geführten Pension "Rose" in Davos. Gest. in Davos.

Bestandsübernahme

2017

Bestandsgeschichte

Die Unterlagen aus dem Nachlass von Erich und Lia Hacker-Müntz wurden dem AfZ 2017 von deren Sohn Alex Hacker übergeben. Die im Bestand befindlichen Fotokopien von Dokumenten zu Schlama und Cypa Müntz-Krel hat Lia Hacker-Müntz anfertigen lassen – über den Verbleib der Originale ist nichts bekannt. Auch bei einem Teil der übergebenen Fotos handelt es sich um Reproduktionen auf modernem Fotopapier, welche Lia Hacker nachträglich anfertigen liess - auch davon finden sich keine Originale mehr. Rund 20 weitere Fotoalben zur jüngeren Familiengeschichte nach der Familiengründung in der Schweiz (Ferienfotos, Familienalltag, Kindheit- und Jugendfotos von Sohn Alex etc.) hat der Sohn bereits vor der Übergabe ans AfZ ausgeschieden. Beim Donator verblieben ist ein privater Briefwechsel zwischen seinen Eltern aus der Zeit vor ihrer Heirat - da es sich um reine Liebesbriefe ohne Bezug zum zeitgeschichtlichen Kontext handelt, werden sie in der Familie aufbewahrt.

Literatur

 

Inhalt und innere Ordnung

Bestandsinhalt

BiografieAusweise und Urkunden, auch betr. Schlama und Cypa Müntz-Krel (Eltern von Lia Hacker-Müntz), Poesiealbum
BilddokumenteFotoalben und Einzelfotos zur Familiengeschichte der Eltern und Grosseltern von Erich Hacker und von Lia Hacker-Müntz, zu Erich Hacker (als Flüchtling in der Schweiz), zu Lia Müntz (in Belgien im Zweiten Weltkrieg, frühe Nachkriegszeit in der Schweiz) und zur Familie Erich und Lia Hacker-Müntz
GegenständeKultusobjekt: Gebetsbuch

Bewertung/Kassation

Kassiert wurden v.a. einzelne nicht mehr metadatierbare, ähnliche und wenig aussagekräftige Fotos. Das kleine Album zum Aufenthalt von Lia Müntz im Kindersanatorium in Buizingen während der Okkupationszeit wurde hingegen nahezu integral archiviert.
Von den beiden übergebenen Kultusgegenständen wurde der Tefillin (Gebetsriemen in einem weinroten Samtsäcklein mit aufgesticktem Davidstern), den Erich Hacker anlässlich seiner Bar-Mitzwa 1936 getragen hat, dem Donator zurückgegeben. Hingegen wurde das in sehr schlechtem Zustand befindliche, offenbar intensiv genutzte und mehrmals geflickte Gebetsbuch als eindrückliches Zeugnis für dessen wichtige religiöse Bedeutung behalten.

Ordnung/Klassifikation

Drei frühe von insgesamt sechs übernommenen Fotoalben aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, der Kriegszeit und der frühen Nachkriegszeit bis zur Heirat, welche weder Metadaten (oder nur auf der Rückseite der Fotos) enthielten noch ein bewusstes Aufbaukonzept erkennen liessen und aus denen etliche Aufnahmen entfernt oder teils nachträglich lose einfügt wurden, sind aufgelöst worden. Aus dem ältesten, von Lia Hacker-Müntz angelegten Familienalbum, welches Vorfahren und Verwandte sowohl der Familie Hacker-Gerstl als auch der Familie Müntz-Krel dokumentierte, wurden insgesamt 14 Dossiers gemäss den einzelnen Familienzweigen und Zeitabschnitten gebildet (6-17, 19-20). Das kleine rote Album zum Aufenthalt von Lia Müntz in einem katholischen Kindersanatorium in Buizingen (Belgien), wo sie die deutsche Okkupation überlebte, wurde als Einheit erhalten, aber soweit möglich chronologisch neu gegliedert. Das dritte aufgelöste Album, welches die Nachkriegszeit von Lia Müntz in der Schweiz bis zu ihrer Heirat dokumentierte, wurde auf vier chronologisch gegliederte Dossiers (22-25) aufgeteilt. Dank dem grossen Engagement von Alex Hacker, Donator und Sohn der Bestandsbildner, konnte eine Vielzahl von nicht beschrifteten Fotos noch metadatiert werden.

Zugang

Benutzbarkeit

Frei

Sprache(n)

Deutsch

Findmittel

2018

Findmittel online

Ja

Sachverwandte Unterlagen

Verwandtes Material

Archiv für Zeitgeschichte: IB VSJF-Archiv (insbes. Dossiers H. 34 Hacker, Erich; H.49 Hacker, Salomon; H.29 Hacker, Adele; M.712 Müntz verh. Hacker, Lia Martha)

Verzeichniskontrolle

Bearbeitung im AfZ

Hagmann, Werner

Vorverzeichnung

 

Findhilfsmittel

 

Untereinheiten

1.: Biografie und Familiengeschichte