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Bestand

Identifikation

Bestandssignatur

NL Sigrist-Hilty

Zitierung

AfZ: NL Sigrist-Hilty

Kurztitel

Sigrist-Hilty, Fritz und Clara

Bestandsname

Nachlass
Fritz und Clara Sigrist-Hilty
(1881-1963 / 1884-1988)

Entstehungszeit

1876 - 2005

Umfang

0.35

Laufmeter

Kontext

Provenienz

Sigrist-Hilty, Fritz / Sigrist-Hilty, Clara

Geschichte / Biografie

Sigrist-Hilty, Fritz
29.1.1881-3.6.1963
Bau-Ing., Sektionsingenieur beim Bau der Bagdadbahn, Oberingenieur beim Bau der Südanatolischen Bahn

Geb. in Beirut, reformiert, von Netstal, Sohn des Kaspar Rudolf Sigrist, Kaufmanns, und der Katharina geb. Weber von Netstal; 1915 Heirat mit Clara Hilty. Kindheit im Libanon; mit 13 Jahren zur Schul- und Berufsbildung in die Schweiz, zunächst nach Zürich zu seinem älteren Bruder Rudolf, dann nach Frauenfeld zum Besuch der Kantonsschule. 1899-1903 Ingenieurstudium am Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich. Ab 1903 Berufstätigkeit in der Schweiz: Mitwirkung beim Bau der Bahn Schwanden - Elm und der Bahn Bellinzona - Mesocco, anschliessend am Bau der Wasserkraftanlage an der Rhone bei Chippis. 1910-1918 Mitwirkung beim Bau der Badgadbahn als Sektionsingenieur in der Gegend von Aleppo und des Amanus. 1914/15 vorübergehende Rückkehr in die Schweiz und Heirat mit Clara Hilty. 1915 Augenzeuge der Deportation der Armenier. 1918 nach der Rückkehr in die Schweiz Mitwirkung bei der Elektrifizierung der Gotthardbahn. Ab 1922 Oberingenieur beim Bau der Wäggital-Staumauer, anschliessend Anstellung bei der Firma Züblin in Zürich. 1926 erneute Übersiedlung in die Türkei: Leitung des Baus der 500 km langen Linie Fevzipasa - Diyarbekir der Südanatolischen Bahn, ab 1933 auch des Baus der Linie Irmak - Filyoz, als Oberingenieur im Dienste der dänisch-schwedischen Firma Nydquist & Holm. Ende 1937 Rückkehr in die Schweiz, landwirtschaftliche Betätigung in Werdenberg zusammen mit zwei seiner Söhne. Gest. in Werdenberg, Gemeinde Grabs.

Sigrist-Hilty, Clara
5.7.1884-22.3.1988
Krankenschwester, Hausfrau

Geb. in Buchs SG (amtliche Vornamen: Anna Klara), reformiert, von Grabs, Tochter des Paravizin Hilty und der Hannah geb. Ernst von Winterthur; 1915 Heirat mit Fritz Sigrist. Nach der Sekundarschule in Buchs zwei Jahre im Töchterinstitut Yalta in Zürich; 1902 Besuch der Ecole supérieure in Neuchâtel; Ausbildung zur Krankenschwester an der Schweizerischen Pflegerinnenschule in Zürich; Anstellung im Krankenhaus Grabs. 1915-1918 Aufenthalt in der Türkei, wo sie an ihrem Wohnort Keller (später Fevzipasa) am Rande des Amanusgebirges Augenzeugin des Armeniergenozids wurde und ihre Beobachtungen in einem Bericht sowie in ihrem Tagebuch festhielt. 1927 erneute Übersiedlung mit ihren vier Söhnen in die Türkei; Wohnsitz in Konstantinopel, rund 1000 Kilometer von der Arbeitsstelle des Gatten in Anatolien enfernt. 1935 Rückkehr in die Schweiz, ab 1937 in der Gemeinde Grabs im Elternhaus auf der Egeten beim Schloss Werdenberg wohnhaft; 1979 altersbedingte Übersiedlung nach Buchs SG in ihr Geburtshaus, wo sie von ihrem Patenkind betreut wurde; 1986 Eintritt ins Pflegeheim Werdenberg in Grabs. Gest. in Grabs.

Bestandsübernahme

2005, 2015, 2016

Bestandsgeschichte

Die dem Archiv für Zeitgeschichte von Rudolf Sigrist-Clalüna übergebenen Teile des Nachlasses seiner Eltern Fritz und Clara Sigrist-Hilty dokumentieren hauptsächlich deren Aufenthalte in der Türkei, namentlich auch das Miterleben des Armeniergenozids 1915/16. Neben schriftlichen Aufzeichnungen und Korrespondenz sind zahlreiche Fotos überliefert. Im Bestand finden sich auch spätere Ergänzungen des Sohnes Rudolf Sigrist-Clalüna. Die Tagebuchaufzeichnungen 1914-1918 von Clara Sigrist-Hilty hat eine Enkelin dem AfZ übergeben, ebenso leihweise mehrere Fotos für die Digitalisierung (Dossier 17). Von Linda Sigrist, einer weiteren Enkelin, stammen einzelne weitere Fotos Dossier 18). 2016 hat das Kulturarchiv Werdenberg einzelne Unterlagen dem AfZ abgetreten, welche ihm seinerzeit von Rudolf Sigrist übergeben worden sind, darunter namentlich zahlreiche Fotoreproduktionen sowie ein Originalstadtplan von Beirut auf dem Jahr 1876 (Dossiers 20-26).
Hinweise zu weiteren Teilbeständen aus dem Nachlass Fritz und Clara Sigrist-Hilty finden sich unter der Rubrik "Sachverwandte Unterlagen".

Literatur

Sakayan, Dora: "Man treibt sie in die Wüste". Clara und Fritz Sigrist-Hilty als Augenzeugen des Völkermordes an den Armeniern 1915–1918, Zürich 2016.

Inhalt und innere Ordnung

Bestandsinhalt

BiografieLebensgeschichte, Nekrologe und Würdigungen; Familiengeschichte
KorrespondenzBriefabschriften von Fritz und Clara Sigrist-Hilty aus der Türkei, 1915
ManuskripteTagebuch Clara Sigrist-Hilty 1914-1915; Manuskript "Sommer 1915" von Clara Sigrist-Hilty betr. Armenierdeportation; diverse Aufzeichnungen und Texte von Fritz Sigrist-Hilty
BilddokumenteFotos (Alben und Einzelfotos) von Fritz und Clara Sigrist-Hilty aus der Türkei und aus Aleppo, von Kaspar Sigrist aus dem Libanon
DokumentationLiteratur zum Armeniergenozid 1915/16

Bewertung/Kassation

Die dem AfZ übergebenen Unterlagen wurden integral archiviert.

Ordnung/Klassifikation

Aufgrund mehrerer nachträglicher Ergänzungen aus unterschiedlichen Provenienzen und der bereits erfolgten Digitalisierung des von Rudolf Sigrist bereits 2005 übergebenen Kernbestandes liess sich eine durchgehende systematische Gliederung v.a. bei den Fotos nicht realisieren.

Zugang

Benutzbarkeit

Frei

Sprache(n)

Deutsch, Armenisch

Findmittel

Findmittel des AfZ: 2005, 2017

Findmittel online

Ja

Sachverwandte Unterlagen

Verwandtes Material

Einzelne Unterlagen aus dem Nachlass von Fritz und Clara Sigrist-Hilty wurden von Rudolf Sigrist-Clalüna zwei weiteren Institutionen zur Aufbewahrung anvertraut:
1. ETH-Bibliothek, Archive und Nachlässe: Unterlagen zum Bahnbau in der Türkei
2. Kulturarchiv Werdenberg der Historisch-Heimatkundlichen Vereinigung Werdenberg: Unterlagen zur Hilty-Familiengeschichte

Verzeichniskontrolle

Bearbeitung im AfZ

Werner Hagmann

Vorverzeichnung

 

Findhilfsmittel

 

Untereinheiten

1.: Biografie
2.: Korrespondenz
3.: Manuskripte
4.: Bilddokumente (auch Karten und Gegenstände)
5.: Dokumentation