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Bestand

Identifikation

Bestandssignatur

NL Albert Weitnauer

Zitierung

AfZ: NL Albert Weitnauer

Kurztitel

Weitnauer, Albert

Bestandsname

Nachlass
Dr. iur. Albert Weitnauer
(1916-1984)

Entstehungszeit

1874 - 1985

Umfang

7.00

Laufmeter

Kontext

Provenienz

Weitnauer, Albert

Geschichte / Biografie

Weitnauer, Albert
30.5.1916-29.12.1984
Dr. iur., Staatssekretär

Geb. in Blumenau (Brasilien), Bürger von Basel. Sohn von Albert Friedrich Weitnauer (20.12.1874-2.10.1918), Architekt sowie Ingenieur im Eisenbahnbau, und Stephanie Maria geborene Hoeschl (25.2.1883-9.3.1942). Bruder von Charlotte Emma Helene Weitnauer (18.3.1913-25.1.1961). 1926-1935 Schulen und Humanistisches Gymnasium in Basel, 1935-1940 Studium beider Rechte in Basel. 1941 Eintritt in die Eidgenössische Zentralstelle für Kriegswirtschaft als juristischer Beamter, ab 1945 stellvertretender Chef der Zentralstelle. 1946 Übertritt in die USA-Sektion der Handelsabteilung des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements, 1948-1949 Tätigkeit auf der Schweizerischen Gesandtschaft in Washington, ab 1949 Leiter des USA- und Welthandelsdienstes der Handelsabteilung. 1953-1954 Wirtschaftsrat in der Schweizerischen Gesandtschaft in London, 1954-1958 Leiter der Wirtschaftsabteilung der Gesandtschaft in Washington.
1959-1971 Delegierter für Handelsverträge in den Bereichen GATT, Europäische Integration, USA und Osteuropa (Osteuropa bis 1963). In dieser Funktion vor allem für die GATT-Verhandlungen und die Auswirkungen der Europäischen Integration auf die Schweiz zuständig. Ab 1961 Präsident der "Arbeitsgruppe für historische Standortbestimmung", welche sich mit den Möglichkeiten einer Annäherung an die EWG befasste. Leiter der schweizerischen GATT-Delegation 1961-1962 in der "Dillon-Runde" und 1962-1967 in der "Kennedy-Runde". Abschluss der "Kennedy-Runde" als grösster politischer Erfolg führte u.a. zur Aufnahme der Schweiz als Vollmitglied im GATT, zur Aufhebung der US-amerikanischen Uhrenzölle sowie zu umfassenden Zollsenkungen seitens der EWG.
1971-1975 Botschafter in London, 1973 Spezialauftrag zur Verhandlungsführung über den Abschluss des Rechtshilfe-Abkommens mit den USA. 1976-1980 Generalsekretär des Eidgenössischen Politischen Departements; 1979 Ernennung zum Staatssekretär des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten. Beurlaubung ab April 1980 und Pensionierung im August. Nach dem Ausscheiden aus dem Bundesdienst Verfassung einer Autobiografie und Referententätigkeit. Gest. in Bern.

Bestandsübernahme

1981, 1987, 2012

Bestandsgeschichte

Der Nachlass wurde testamentarisch dem AfZ geschenkt und nach dem Hinschied Weitnauers mit der Auflage übergeben, die Benutzung gemäss den geltenden Bestimmungen des Bundes zu regeln. Eine Schenkung von Cécile Schenk ergänzte den Nachlass mit Unterlagen zum Rücktritt Weitnauers. Im Jahre 2012 übergab Reto Boerlin, Präsident der Albert Weitnauer-Stiftung, dem AfZ weitere Unterlagen in Form von Referatstexten und Zeitungsartikeln.

Literatur

Christian Föllmi: Die Schweiz, Europa und die Welt im politischen Denken Albert Weitnauers (1960-1967), Lizentiatsarbeit Universität Zürich 1992.
Philipp Krauer: Ansichten einer fotografischen Dokumentation des Eisenbahnbaus von Blumenau bis Hammonia 1908-1909, Seminararbeit D-GESS ETH Zürich 2013

Inhalt und innere Ordnung

Bestandsinhalt

BiografieFamiliengeschichte, Erbteilungen, Lebenslauf, Studium
TätigkeitKriegswirschaft (1941-1946); Handelsbeziehungen Schweiz-USA (1953-1958); Uhrenzölle Schweiz-USA (1955-1967); GATT (1956-1983); Europäische Integration (1959-1972); Osthandel (1961-1970), Arbeitsgruppe "Historische Standortbestimmung (1961-1983); FDP-Parteiprogramm (1962-1963); Botschafter in London (1971-1976); Rechtshilfe-Abkommen Schweiz-USA (1972-1975), KSZE (1976-1978);
PublikationenAutobiografie "Rechenschaft" (1976-1983)
HandaktenExposés, Referatstexte, Berichte
Korrespondenzu.a. Paul Rudolf Jolles, Raymond Probst, Hans Schaffner (1945-1984)
BilddokumenteEisenbahnfotos von Albert Friedrich Weitnauer (1900-1906); Familienfotos (1904-1935), Porträts (ca. 1970-1980)

Bewertung/Kassation

Der Bestand dokumentiert Weitnauers Familiengeschichte sowie sämtliche Lebensstationen, jedoch unterschiedlich ausführlich.
Speziell am Nachlass ist, dass er umfangreiche Akten zum Vater, Albert Friedrich Weitnauer, und zum Aufenthalt der Familie in Blumenau, Brasilien und später Basel enthält. Besonders hervorzuheben ist der Fotobestand von Albert Friedrich Weitnauer mit Fotos von Eisenbahnprojekten in Deutsch-Südwest-Afrika zur Zeit des Herero-Aufstandes 1904 und Brasilien um 1908/09.
Akten zur Kindheit, dem Studium sowie den ersten Tätigkeiten beim Bund in der Eidgenössischen Zentralstelle für Kriegswirtschaft und später der Handelsabteilung sind nur lückenhaft vorhanden.
Sehr ausführlich dokumentiert ist Weitnauers Tätigkeit als Leiter der Schweizerischen Delegation in der Dillon- und insbesondere Kennedy-Runde des GATT.
Die Protokolle der Arbeitsgruppe "Historische Standortbestimmung", der Weitnauer beinahe während seiner gesamten Dienstzeit angehörte, sind durchgehend überliefert.
Aus seinen Tätigkeiten als Gesandter des BR für Handelsverträge und Spezialmissionen, Botschafter in London und Staatssekretär EDA aber auch während seinem Ruhestand existieren umfangreiche Handakten mit Korrespondenz, Gesprächsnotizen, Berichten und Referatstexten zu Tagesthemen. Diese betreffen im besonderen seine Spezialgebiete GATT, europäische Integration, Ostkontakte und Schweizerische Neutralität.
Auch im Bestand enthalten sind die Entwürfe zur Autobiografie "Rechenschaft".

Ordnung/Klassifikation

Im Zuge der Nacherschliessung vom Winter 2010 bis Frühling 2011 wurde die Nachlieferung sowie die Schenkung von Cécile Schenk in den Bestand eingearbeitet. Nach der Erfassung allen vorhandenen Materials wurde der Bestand entlang der Karrierestationen von Weitnauer chronologisch und thematisch neu strukturiert. Eine frühere Klasse "Schriften / Referate" wurde dazu aufgelöst und chronologisch integriert. Die ursprünglichen, detaillierten bibliografischen Angaben wurden beibehalten, für neu hinzugekommene Schriften und Referatstexte jedoch nicht nachgeführt, was einen doppelten Verzeichnungs-Standard innerhalb einiger Dossiers zur Folge hatte. Das Kapitel "Korrespondenz" wurde nicht mehr verändert. Auch kleinste Korrespondenzen wurden hier einzeln verzeichnet belassen, weshalb viele Dossiers Einzelkontakte ohne thematischen Zusammenhang dokumentieren. Für neu verzeichnete Korrespondenz wurde eine summarische Beschreibung gewählt. Die Akten aus der Albert Weitnauer-Stiftung wurden im Mai 2012 in den Bestand eingearbeitet.

Zugang

Benutzbarkeit

Teilweise Gesuchspflichtig

Sprache(n)

deutsch, französisch, englisch, spanisch

Findmittel

Findmittel des AfZ: 1982, 1986, 2011, 2012, 2014

Findmittel online

Ja

Verzeichniskontrolle

Bearbeitung im AfZ

Christian Föllmi, Philipp Hofstetter, Franziska Diener, Sonja Vogelsang

Vorverzeichnung

 

Findhilfsmittel

 

Untereinheiten

1.: Familiengeschichte (1874-1961)
2.: Materialien zur Biografie (1916-1980)
3.: Korrespondenz (1945-1984)
4.: Frühe Tätigkeiten beim Bund (1941-1958)
5.: Delegierter des BR für Handelsverträge und Spezialmissionen (1959-1971)
6.: Arbeitsgruppe "Historische Standortbestimmung" (1961-1984)
7.: Botschafter in London (1971-1976)
8.: Generalsekretär EPD / Staatssekretär EDA (1976-1980)
9.: Tätigkeit im Ruhestand (1980-1984)
10.: Fotosammlung von Albert Friedrich Weitnauer zu Afrika und Brasilien (1900-1927)