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Bestand

Identifikation

Bestandssignatur

NL Hilb-Gump

Zitierung

AfZ: NL Hilb-Gump

Kurztitel

Hilb-Gump, Ernst und Dora

Bestandsname

Nachlass
Ernst und Dora Hilb-Gump
(1904-1988 / 1911-1985)

Entstehungszeit

1881 - 2015

Umfang

0.60

Laufmeter

Kontext

Provenienz

Hilb-Gump, Ernst und Dora

Geschichte / Biografie

Ernst Hilb-Gump
20.7.1904-18.4.1988
Kaufmann

Geb. in Konstanz, israelitisch, Bürger von Herisau AR (1959 eingebürgert, ursprünglich deutscher Reichsangehöriger, nachher staatenlos); Sohn des Siegfried Hilb (1871-1932), Kaufmanns und Unternehmers und der Elsa Hilb geb. Dreyfus (1877-1957), Hausfrau; Geschwister: Marianne (1899-1985), Röntgenassistentin und Sprechstundenhilfe. 1939 Heirat mit Dora Gump; Kinder: Rolf (geb. 1945) und Martin (geb. 1948). 1913-1919 Oberrealschule Konstanz; 1919-1921 zuerst in Ausbildung zum Kaufmann, ab 1922 als Gehilfe in der Gardinenfabrik Adolf Veit & Co., Konstanz; 1922-1923 Lagerist und Verkäufer in der Grosshandlung für Damenkleiderstoffe M.L. Rosenstein & Co, Frankfurt a.M. Ab 1924 in der Tuchgrosshandlung seines Vaters tätig; nach dessen Tod 1932 Übernahme der beiden Geschäftsstellen in Konstanz und Kreuzlingen; 1938-1939 Zwangsliquidierung der Geschäftsstelle in Konstanz; 1939-1940 nach Ablehnung unbefristeter Aufenthaltsbewilligung Liquidierung der Filiale in Kreuzlingen.
Sommer 1939 Umwandlung des bisherigen Niederlassungsrechts in ein Transitvisum auf dem Schweizer Konsulat in Mannheim; Erhalt Einreisevisum Dominikanische Republik; Oktober 1939 befristete Einreisebewilligung in die Schweiz zwecks Vorbereitung der Auswanderung; Weiterreisebemühungen bleiben vergeblich. 1940-1945 Toleranzbewilligungen, wohnhaft in Sarnen zusammen mit seiner Ehefrau Dora, seiner Mutter Elsa und seiner Schwester Marianne Hilb; 1942-1945 zeitlich befristete Internierungen in Schweizer Lagern, u.a. Bad Schauenburg, Liestal und Gempen-Stollenhäuser, Solothurn.
Die Unterstützung von Auswanderungsbemühungen Verwandter in Deutschland blieben erfolglos: Emil Hilb (1864-1942, Onkel), ermordet im Vernichtungslager Treblinka; Ludwig (1893-1942) und Elsbeth Oberdorfer-Hilb (1893-1942, Cousine), sowie deren Kinder Lise, Dora und Franzl nach der Deportation nach Riga bei einer Mordaktion getötet; Ricka Oberdorfer (1866-1944, Mutter von Ludwig Oberdorfer), ermordet im Konzentrationslager Theresienstadt.
1945 Umzug nach Herisau, ebendort tätig in der Handschuhwirkerei AG; später Prokurist bei der Firma Solfix AG sowie Vertreter bei der Firma Lion & Co., Kreuzlingen. Gesuche um Erteilung des Gemeinde- und Kantonsbürgerrechts in Herisau wurden 1956 abgelehnt und 1959 angenommen. Gest. in Herisau, bestattet in Kreuzlingen.

Dora Hilb-Gump
15.6.1911-29.4.1985

Geb. in Konstanz, israelitisch, Bürgerin von Herisau AR (1959 eingebürgert, ursprünglich deutsche Reichsangehörige, nachher staatenlos); Tochter des Bernhard Benjamin Gump (1881-1961), Viehhändlers, und der Rosa Gump geb. Wolf (1886-1969). 1939 Heirat mit Ernst Hilb. Gest. in Herisau, bestattet in Kreuzlingen.

Bernhard Gump
28.9.1881-10.1.1961
Viehhändler

Geb. in Wangen am Untersee (Gemeinde Öhningen, Deutschland), israelitisch, Bürger von Kreuzlingen (ca. 1957 eingebürgert, ursprünglich deutscher Reichsangehöriger, nachher staatenlos); Sohn des Abraham Gump (1845-1937) und der Dolzina Gump geb. Rothschild (1856-1906). 1910 Heirat mit Rosa Gump geb. Wolf (1886-1969); Kinder: Dora Gump (1911-1985). Seit 1920er Jahren Geschäftsniederlassung in der Schweiz; Oktober 1929 Niederlassung in Kreuzlingen; 1934 aus der fremdenpolizeilichen Kontrolle entlassen; 1936 Aufnahme eines jüdischen Ferienkinds aus Frankreich; 1941 Pflege von zwei jüdischen Emigrantenkindern; ab 1942 Toleranzbewilligungen; da Niederlassung in der Schweiz nach 1. September 1929 erfolgte gesetzlich als Emigrant eingestuft; Verpflichtung zur Zahlung einer Kaution und von Beiträgen an die schweizerischen Hilfsorganisationen für Emigranten; erfolglose Auswanderungsbemühungen in die Vereinigten Staaten von Amerika. Gest. in Kreuzlingen.

Bestandsübernahme

2018

Bestandsgeschichte

Der Nachlass wurde dem Archiv für Zeitgeschichte 2018 von Rolf Hilb (Sohn) übergeben. Es sind hauptsächlich schriftliche Unterlagen überliefert. Die Nummerierungen auf einzelnen Dokumenten stammen von Ernst Hilb.

Literatur

Engelsing, Tobias: Die rettende Schweiz? Aus "Überfremdungsgründen" abgelehnt: Das lange Ringen der Familie Hilb um eine neue Heimat, in: Engelsing, Tobias (Hg.): Das jüdische Konstanz. Blütezeit und Vernichtung, Konstanz: Südverlag, 2015, S. 144-162
Bloch, Erich: Geschichte der Juden von Konstanz im 19. und 20. Jahrhundert. Eine Dokumentation, Konstanz: Rosgartenverlag, 1971

Inhalt und innere Ordnung

Bestandsinhalt

BiografieAmtliche Dokumente und Ausweise, Flucht in die Schweiz / Weiterwanderungsbemühungen, Niederlassungsbewilligungen, Einbürgerungsakten, Wiedergutmachungsverfahren, Interview, Familiengeschichte Familien Hilb und Gump, Fotos
Korrespondenzamtlich (betrifft u.a. Arbeitslager für Emigranten, Eidg. Fremdenpolizei) und privat (betrifft u.a. Emil Hilb, Ludwig und Elsbeth Oberdorfer geb. Hilb, Ricka Oberdorfer)
DokumentationMaterialien zur Ausstellung "Das jüdische Konstanz" und zur Seminararbeit von Caroline Hilb (Enkelin), Beitrag von Tobias Engelsing zum Flüchtlingsschicksal der Familie Hilb

Bewertung/Kassation

Der übernommene Bestand wurde integral archiviert. Nur vereinzelte Unterlagen ohne unmittelbaren Bezug zu Ernst und Dora Hilb wurden kassiert.

Ordnung/Klassifikation

Die bestehende Ordnung wurde soweit wie möglich übernommen, auch innerhalb der Dossiers (insbesondere Unterdossiers in Dossiers 16 und 28).

Zugang

Benutzbarkeit

Gesuchspflichtig

Sprache(n)

Deutsch

Findmittel

2019

Findmittel online

Nein

Verzeichniskontrolle

Bearbeitung im AfZ

Stefanie Salvisberg

Vorverzeichnung

 

Findhilfsmittel

 

Untereinheiten

1.: Biografie
2.: Familiengeschichte
3.: Als Flüchtlinge in der Schweiz
4.: Wiedergutmachungsverfahren
5.: Korrespondenz
6.: Recherche- und Arbeitsunterlagen