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Bestand

Identifikation

Bestandssignatur

NL Hans K Sonderegger

Zitierung

AfZ: NL Hans K Sonderegger

Kurztitel

Sonderegger, Hans Konrad

Bestandsname

Nachlass
Dr. iur. Hans Konrad Sonderegger
(1891-1944)

Entstehungszeit

1890 - 1994

Umfang

3.10

Laufmeter

Kontext

Provenienz

Sonderegger, Hans Konrad

Geschichte / Biografie

Sonderegger, Hans Konrad
10.10.1891-3.9.1944
Dr. iur., Pfarrer, Rechtsanwalt, Redaktor, Ständerat, Nationalrat

Geb. in Heiden (AR), reformiert, von Heiden, Sohn des Wilhelm, Lehrers, Journalisten und Regierungsrats, und der Susanna geb. Rhyner; 1917 Heirat mit Maria Clavuot. 1907-1911 Kantonsschule in Trogen; 1911-1916 Theologiestudium in Basel, Zürich und Marburg. 1916-1920 protestantischer Pfarrer in den romanischen Gemeinden Lavin und Guarda im Unterengadin; Mitarbeit bei der Zeitung "Fögl d'Engiadina" bis 1921; Mitbegründer der ab 1922 erscheinenden ersten ladinischen Zeitung "Gazetta Ladina". 1920-1923 Studium der Rechtswissenschaften in Zürich und Bern; 1923 Promotion. 1924-1927 Rechtsanwalt in Teufen, ab 1927 Anwaltspraxis in Heiden. 1924-1935 Redaktor der in Teufen erscheinenden Zeitung "Säntis"; Mitarbeiter des "Beobachters" und der "Neuen Bündner Zeitung"; 1927-1943 Mitredaktor der basellandschaftlichen Zeitung "Der Landschäftler" in Liestal; 1936-1944 Herausgeber und Redaktor der von ihm gegründeten, in Heiden erscheinenden demokratisch-freiwirtschaftlichen Wochenzeitung "Der Demokrat". 1929-1932 Mitglied des Obergerichts von Appenzell Ausserrhoden; 1931 Eintritt in den "Schweizer Freiwirtschaftsbund" und Aufstieg zu dessen führendem Vertreter. 1933-1944 Kantonsrat und 1934-1935 Ständerat von Appenzell Ausserrhoden; 1939-1943 Nationalrat des Kantons Baselland; 1943 abruptes Ende der politischen Karriere, nachdem infolge interner Differenzen im Freiwirtschaftsbund vertrauliche Briefe aus dem Sommer 1940 veröffentlicht worden waren, worin Sonderegger u. a. für eine Umbildung des Bundesrats und eine Verständigung mit den siegreichen Achsenmächten eingetreten war, um so den Fortbestand der Schweiz zu sichern. Gest. in Scuol (GR).

Bestandsübernahme

1996, 2009

Bestandsgeschichte

Nach dem Tod von Hans Konrad Sonderegger gelangte der Nachlass zunächst in die Obhut seiner Tochter Annina Belz-Sonderegger. Bei verschiedenen Umzügen ging einiges Material verloren oder wurde von ihr verschenkt oder weggeworfen. Die Tochter hat auch erste Ordnungsversuche vorgenommen. Nach ihrem Tod kam der Bestand zum gleichnamigen Sohn, Hans Konrad Sonderegger jun., der den Nachlass weiter ordnete. 1996 übergab er die noch erhaltenen Unterlagen mit Ausnahme einzelner in rätoromanischer Sprache abgefasster Schriftstücke dem AfZ als Schenkung. 2009 kamen einige Ergänzungen aus dem Besitz von Maria Geldmacher-Belz, einer Enkelin von Sonderegger, hinzu, welche in den bereits erschlossenen Bestand eingeflochten wurden.
Der Nachlass von Hans Konrad Sonderegger gehört zu den zentralen Beständen zur Geschichte der Schweizer Freiwirtschaftsbewegung. Gut dokumentiert sind denn auch Sondereggers politisches Wirken in der Bewegung und seine Beziehungen zu Vertretern der europäischen, v.a. der österreichischen Freiwirtschaftsbewegung. Auch zu seinen politischen Mandaten, besonders als Ständerat und als Nationalrat, finden sich Unterlagen. Einen Schwerpunkt bildet der sogenannte "Fall Sonderegger" im Jahr 1943. Eingehend belegt ist auch Sondereggers publizistisches Wirken, darunter eine scheinbar lückenlose Sammlung seiner Artikelmanuskripte ab 1918 sowie die beinahe vollständigen Jahrgänge seiner Zeitung "Der Demokrat". Ergänzt werden die Schriftdokumente durch zahlreiche Fotos zur Familie, aber auch zur Freiwirtschaftsbewegung. Besonders sticht die Diaserie zu einer Reise nach Finnland und Leningrad im Jahr 1931 hervor. In den Jahrzehnten nach dem Tod Sondereggers, in denen der Nachlass bei seinen beiden Kindern verblieb, die das Erbe ihres Vaters aktiv pflegten, wurden zahlreiche später entstandene Ergänzungen beigefügt, insbesondere rückblickende Würdigungen und postume Publikationen von Eigenschriften, die nach seinem Tod erschienen Jahrgänge der Zeitung "Der Demokrat" sowie neuere Publikationen mit freiwirtschaftlichem Bezug.

Literatur

Appenzellische Jahrbücher 2016. Hg.: Appenzellische Gemeinnützige Gesellschaft, Heft 143, Herisau 2016 (Schwerpunktthema: Die Brüder Sonderegger von Heiden).
Demuth, Yves: Der „Fall Sonderegger“. Von der Affäre um den ersten freiwirtschaftlichen Bundespolitiker H. K. Sonderegger von 1943. Aspekte der „von flüsternden Pläneschmiederei und Geheimbündelei erfüllten Julitage“ 1940 und des nachträglichen Umgangs damit. Liz.arbeit, Freiburg i. Ue. 2007 (unpubliziert).
Schärrer, Markus. Geld und Bodenreform als Brücke zum sozialen Staat. Die Geschichte der Freiwirtschaftsbewegung in der Schweiz (1915-1952), Dissertation Universität Zürich, Zürich 1983.

Inhalt und innere Ordnung

Bestandsinhalt

BiografieFamiliengeschichte, Fotografien, Schule und Studium (Dissertation), Tagebuchfragment 1920, Ausweise und Dokumente, Gratulationsbuch zum 50. Geburtstag, illustrierte Presseartikel und Karikaturen, Todesanzeige, Nekrologe, Totenmasken, retrospektive Würdigungen
TätigkeitPolitische Tätigkeit: Appenzell Ausserrhoden (Kontroversen, Kantonsrat); Ständerat 1934-1935; Nationalrat 1939-1943; "Fall Sonderegger" 1940/1943 ("Sonderegger-Briefe" 1940, Untersuchung durch die Bundesanwaltschaft, Korrespondenz mit Eduard von Steiger, Eingabe an den Bundesrat, Behandlung im Nationalrat, Ausschluss aus dem Freiwirtschaftsbund, Korrespondenz, Presseecho, Karikaturen u. a.); Freiwirtschaftsbewegung (auch Beziehungen zum Ausland, insbesondere zu Österreich, u. a. Freigeldexperiment in Wörgl, 1931-1938); Lia Rumantscha / Ligia Romontscha 1919-1922; Richtlinienbewegung 1937-1939 u. a.
Publizistische Tätigkeit: Fögl d'Engiadina, 1921-1922; "Der Landschäftler"; "Der Demokrat" (Korrespondenz, Pressekontrolle im Zweiten Weltkrieg, Holzschnitte von Albert Saner und Emil Burki, Zeitungsbände, Druckstöcke des Zeitungskopfs)
PublikationenPolitische Druckschriften (v.a. Separatabdrucke, Broschüren)
Manuskripte"Vom kommenden Frieden", 1942; Vorlagen für Presseartikel 1918-1944; Predigten und Vorträge 1916-1943
KorrespondenzKarl Böckli, Robert Bratschi, Adele und Gottlieb Duttweiler, Robert Grimm, Konrad Ilg, Karl Kobelt, Ernst Löpfe-Benz, Rudolf Minger, Hermann Obrecht, Hans Oprecht, Johann Baptist Rusch, Ignazio Silone, Eduard von Steiger, Stuttgarter NS-Kurier, Johannes Ude, Michael Unterguggenberger (Wörgl) u. a.
SachdossierFreiwirtschaft (Druckschriften, freiwirtschaftliche Zeitungen und Zeitschriften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz)
BilddokumenteGrenzbesetzung 1914-1918; Reise via Hamburg, Kopenhagen, Stockholm, Helsingfors (Helsinki) nach Leningrad (Glasdias) 1931; Spanien, 1930er Jahre; freiwirtschaftliche Kundgebungen (u.a. "FFF-Landsgemeinde" in Meldegg / Walzenhausen, 16mm-Film, 1930er Jahre) u. a.

Bewertung/Kassation

Bis auf einzelne gedruckte Unterlagen ohne ersichtlichen Bezug zum Bestandesbildner wurden im AfZ keine Kassationen vorgenommen.

Ordnung/Klassifikation

 

Zugang

Benutzbarkeit

Frei

Sprache(n)

deutsch, rätoromanisch

Findmittel

Findmittel des AfZ: 2000, 2010

Findmittel online

Ja

Verzeichniskontrolle

Bearbeitung im AfZ

Werner Hagmann; Christoph Manasse

Vorverzeichnung

Vorverzeichnung: -

Findhilfsmittel

-

Untereinheiten

1.: Biografische Materialien
2.: Politische Tätigkeit
3.: Publizistische Tätigkeit
4.: Korrespondenz