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Bestand

Identifikation

Bestandssignatur

NL Alhard Gelpke

Zitierung

AfZ: NL Alhard Gelpke

Kurztitel

Gelpke, Alhard

Bestandsname

Nachlass
Dr. iur. Alhard Gelpke
(1894-1989)

Entstehungszeit

 

Umfang

0.70

Laufmeter

Kontext

Provenienz

Gelpke, Alhard

Geschichte / Biografie

Gelpke, Alhard
16.2.1894-3.11.1989
Dr. iur.

Geb. in Winterthur (amtliche Vornamen: Julius Alhard), reformiert, von Technau BL und Winterthur; Sohn des Julius Alhard Gelpke (1850-1934), Kaufmanns, und der Seline Rosa Gelpke-Jäggli (1866-1947); erste Ehe mit Magda Steuri (1944 geschieden), 1953 zweite Ehe mit Hedwig Heiden geb. Schachne. Studium der Rechte in Lausanne und Zürich; Mitglied des Corps "Alamannia" zu Zürich; 1919 Promotion in Zürich. Versuche, ein eigenes Advokaturbüro und später eine psychologische Praxis zu betreiben, scheiterten; auch seine Tätigkeit als Vertreter für Staubsauger erwies sich als Misserfolg; ab 1927 monatliche Ausrichtung einer lebenslänglichen Rente aus dem elterlichen Vermögen zur Sicherung der Existenz; verschiedene Gelegenheitsaufträge als Revisor; zeitweise bei der Schweizerischen Verrechnungsstelle in Zürich tätig, in den 1950er Jahren im Büro für Regionalplanung des Kantons Zürich.
1930 Mitglied der "Neuen Front" und später der «Nationalen Front», Ende 1933 Ausschluss wegen seiner Opposition gegen den «Diktaturartikel», welcher eine Machtkonzentration beim Landesführer vorsah; 1934-1946 Mitglied der "Aufgebot"-Bewegung von Jakob Lorenz (gemäss Mitglieder-Ausweis ab 1936); will bei verschiedenen Parteien hospitiert haben; 1930-1943 will Gelpke als Sekretär und Archivar einer angeblichen «AHO - Internationale Organisation zur Bekämpfung der politischen Lüge (Verein im Geiste der Oxford-Bewegung)» aktiv gewesen sein, wobei AHO der Deckname für "Adolf Hitler Opposition" (auch "Abegg-Kreis") gewesen sein soll (angebl. Vorsitz: Nationalrat Rudolf Gelpke BS, nach dessen Tod 1940 Wilhelm Abegg); 1944-1949 Sekretär und Archivar der «Gesellschaft für Abendländische Kulturpolitik» AKP (Vorsitz: Wilhelm Abegg), der angeblichen Nachfolgeorganisation der AHO; 1960-1963 ehrenamtliche Mitarbeit im von Gottlieb Duttweiler gegründeten "Büro gegen Amts- und Verbandswillkür".
Er schuf sich seine eigene Legende, die ihm Rollen von historischer Bedeutung zuschrieb: so will er in den zwanziger Jahren im Auftrag von amerikanischen Geldgebern, die Hitler finanzierten, die geheime Buchhaltung der NSDAP geprüft und vor und während des Zweiten Weltkrieges als Archivar und Treuhänder von Oppositionsgruppen, die Hitler ermorden wollten, gewirkt haben. Inspiriert wurde seine Phantasie durch Bekanntschaften u. a. mit dem in die Schweiz emigrierten Dr. Wilhelm Abegg sowie durch die Lektüre von Zeitungen und Büchern. Als "Geheimarchivar" produzierte er mit Unterstützung seiner zweiten Frau vor allem in den 1950er Jahren umfangreiche Pseudoakten, die er ergänzt durch einzelne Originalbriefe, Artikel und Schriften als "Abegg-Archiv" ausgab; 1959 verkaufte er dieses für 8'000 Franken über Dr. Michael Kohl der DDR. Weitere Produktionen aus dem "Abegg-Archiv" schenkte er verschiedenen Instituten und Archiven in den USA, in Deutschland und in der Schweiz und sicherte sich so einen Platz in der Geschichte, bis 1980 durch Klaus Urner nachgewiesen wurde, dass das "Abegg-Archiv" eine Fälschung ist. Gest. in Zürich.

Bestandsübernahme

1969 ff.

Bestandsgeschichte

Das AfZ war im Zusammenhang mit Nachforschungen zur Geschichte der politischen Emigration mit Dr. Gelpke in Kontakt getreten und erhielt in Abständen diverse Materialien, darunter auch Schriften und Bücher. Der Umfang der Fälschungen wurde ersichtlich, als er dem AfZ wegen seines Umzuges ins Altersheim den Rest seines Bestandes übergab. Zum Nachlass von Alhard Gelpke gehören auch Korrespondenzen und Unterlagen, die weitere Recherchen zur Rekonstruktion der Biographie ermöglichen.

Literatur

Klaus Urner: "Zehn preussische Polizeioffiziere und das 'Abegg-Archiv'", in: Der Schweizer Hitler-Attentäter. Drei Studien zum Widerstand und seinen Grenzbereichen, Frauenfeld/Stuttgart 1980, S. 131-143.

Inhalt und innere Ordnung

Bestandsinhalt

KorrespondenzMit in- und ausländischen Archiven betr. "Abegg-Archiv"

Bewertung/Kassation

 

Ordnung/Klassifikation

 

Zugang

Benutzbarkeit

Gesuchspflichtig

Sprache(n)

 

Findmittel

 

Findmittel online

Nein

Sachverwandte Unterlagen

Verwandtes Material

- Archiv für Zeitgeschichte: NL Wilhelm Abegg
- Institut für Zeitgeschichte, München-Berlin: Abegg, Wilhelm (F 86)
- Schweizerisches Sozialarchiv, Zürich: Abegg-Archiv (Ar 201.24)
- Hoover Institution, Stanford -> gem. Brief vom 1.7.1958 wohl Unterlagen retourniert